Neujahrsmarsch

Zum Jahresbeginn trafen sich die Rentiermannen beim Domizil ihres Präsidenten. In der düsteren Strasse angekommen, wurde der Schreibende schon vom Bärenführer empfangen. Kaum war die witterungsangepasste Kleidung montiert, es war einigermassen kühl, hiess es Abmarsch. Auf verschlungenen Wegen, die mir als nicht Eingeborener bisher verborgen blieben, ging es in Richtung Chapf, um schlussendlich beim Gutshof des Bärenführers zu landen.

Wie immer, wenn man sich nach so langer Zeit um den Jahreswechsel nicht mehr sieht, hatten sich die Teilnehmer einiges zu erzählen. Die Stimmung war gut und manch einer wunderte sich, wo denn der designierte Übungsleiter abgeblieben sei. Beruflich verhindert hiess es, wird später einfliegen (nicht bildlich gemeint) hiess es… Wozu hat man Kameraden? Butz und später auch Christian sind mit Bravour in die Bresche gesprungen, und wie.

Auf dem Hof angekommen wurde langsam klar, dass der Neujahrsmarsch nicht nur mit Marschieren und Essen sowie Trinken verbunden war, nein es gab Rätsel zu lösen, welche die Geschmacksnerven schonungslos beanspruchen sollten. Es galt verschiedene Biere zu kosten, was an sich kein Problem gewesen wäre, aber da war auch noch ein Zettel den es mit den vermuteten Biersorten inkl. Hersteller auszufüllen galt. Kulinarisch wurden auch noch Käsesorten aufgetischt, die, obwohl sie bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet wurden, ebenfalls erkannt werden sollten. Mit verunstaltet meine ich nichts Unappetitliches. Butz hat einfach mit viel Liebe zum Detail sämtliche erkennungstechnischen Löcher aus den Käsestücken entfernt, was die Angelegenheit nicht wirklich erleichterte. Zu erwähnen sind auf jeden Fall auch noch die sensationellen Brötchen, die die Reiater zur Neutralisierung der Geschmacksnerven geniessen konnten, besser kann’s nicht mehr kommen.

So gestärkt und mit ungewissen Resultaten auf den Zetteln ging der Marsch weiter vorbei an steinbein hartgefrorenen Feldern vorbei bis zum Domizil von Christian. Es wurde schon etwas frostig, aber man wusste sich ja witterungsbedingt anzuziehen und ein Kesselfeuer stand auch schon im Garten bereit. Dem Schreibenden fiel noch auf, dass der Rasen sich zu dieser Jahreszeit wie ein Teppich präsentierte, da wäre manch einer froh, er hätte einen solchen im Sommer. Aber zurück zum Wesentlichen. Eigentlich stand auf dem Zettel es gäbe Wein zu erkennen, aber es gab, wohl auch der Witterung angepasst, Hochprozentiges. Nun, jetzt musste ich definitiv die Segel streichen. Kein Plan, was es da zu probieren gab. Sämtliche Hoffnungen auf einen Gesamtsieg musste ich bereits am 2. Posten begraben, deprimierend. Es ging nicht allen so und die Stimmung war gut und wurde immer besser, oh Wunder.

Jetzt war es nur noch ein Katzensprung zu unserer finalen Destination. Durch den einen Garten hindurch, in den nächsten Garten hinein und die letzte Station des Abends war erreicht. Nun stimmte der Zettel auch wieder, es gab: etwas Hochprozentiges! Mit viel Geschick waren die Etiketten abgedeckt und es gab keine Hilfestellung, keine Kriegslist oder sonst etwas, was die schonungslose Unwissenheit überdecken konnte. Der Zettel blieb zwar nicht leer, aber die Resultate konnten sich trotzdem nicht sehen lassen.

In der Zwischenzeit ward auch unser Übungsleiter eingetroffen und wir konnten zum gemütlichen Teil übergehen. Drinnen war es wesentlich wärmer und der gedeckte Tisch liess die Herzen höher schlagen! Die Wertung viel für den Schreibenden zwar ernüchternd aus, aber andere Rentiermannen hatten die Sache voll im Griff, wie ihr der sicher beiliegenden Rangliste entnehmen könnt. Ein gelungener Start ins neue Jahr.

Kurt Looser